Numinos

Vor einiger Zeit fragte mich Waeller im #progrock-dt-Chat neckend, ob ich ein neues Fremdwort gelernt habe, "numinos" nämlich. Gelernt ja, neu nein. Wer in der Prog-Schule aufgepasst hat, erinnert sich vielleicht an National Healths "Squarer for Maud":

Is it 'numinousness', 'numinescence' or 'numinosity'? It's like 'luminous'. You say 'numinosity'? I do. And when a things is numinous, it exudes an air of mystery, of sanctity, of energy. It appears 'charged'.

Im englischsprachigen Raum gibt es einen reichhaltigen Schatz an Sachliteratur mit Titeln nach dem Schema "... and Philosophy" (worin "..." durch ein fast beliebiges Popkultur-Thema ersetzt werden kann) oder auch nach dem Muster "Everything I Know I Learned From ...", z.B. "Everything I Know I Learned From TV" vom Philosophen Mark Rowlands, der darin philosophische Konzepte anhand von Fernsehserien erklärt.

Natürlich bekommt man aus jedem beliebigen Themenkreis auf jeden Fall soviel heraus, wie man selber an Konzepten und Vorwissen hinein steckt. Trotzdem glaube ich, dass man mit ein wenig Aufmerksamkeit so gut wie überall etwas mitnehmen kann, eben auch aus dem Nicht-Bildungs-Fernsehen und nicht nur der Hochkultur - wenn man zuhört, mitdenkt, neugierig ist und gelegentlich nachfragt oder nachschlägt.

Wer z.B. weiß, dass Jean-Luc Picard nach seiner Assimilation als "Locutus of Borg" zum Sprachrohr der Borg gemacht wurde, der wird sich nicht wundern, wenn ihm ein seltsamer Begriff wie "lokutionär" im Rahmen der Sprechakt-Theorie über den Weg läuft. Wer andererseit sich wundert, warum eine Figur namens "John Locke" aus der Serie "Lost" den Namen "Jeremy Bentham" als Pseudonym benutzt, lernt vielleicht etwas über die angelsächsische Philosophie der Aufklärung und den Utilitarismus.

Die Information zu "numinos" oben deutet schon an, dass man auch aus dem Musikbereich viel lernen kann, ganz abgesehen natürlich von den vielen musikspezifischen Kenntnissen, die man en passant erwirbt ("Was ist denn ein Mellotron?").

Etwa wüsste ich wahrscheinlich nicht aktiv, dass es ein Nassau nicht nur in Rheinland-Pfalz gibt, sondern auch die Hauptstadt der Bahamas so heißt, wenn nicht Emerson, Lake & Palmer dort "Love Beach" aufgenommen hätten. Oder dass Marilyn Monroes eigentlicher Name Norma Jean Baker war (siehe Elton Johns "Candle in the Wind"). Oder dass es ein Wort für die Angst vor der Zahl dreizehn gibt: "Triskaidekaphobie" (der Titel eines Albums der belgischen Band Present).

P.S. Es heißt übrigens "numinousness".

Kommentare

Kommentar von Fix Sadler am

Dieser Beitrag hat ein philiströses G'schmäckle.

Kommentar von Udo Gerhards am

Und wieder ein neues Wort gelernt. philiströs, was laut de.wiktionary.org "spießbürgerlich, philisterhaft, kleinbürgerlich, engstirnig, engherzig, banausenhaft" bedeutet.

Die Frage ist nur: Warum?

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