Magma: Ekstahtïk Katartïhk Kommandöh

Magma in ihren besten Momenten sind ein Erlebnis, das schwer in Worte zu fassen ist: Die französische Gruppe rund um Schlagzeug-Derwisch Christian Vander kanalisiert spirituelle Energien und kathartische Gefühle, wie sie rockbasierte Musik selten erreicht. Wie geschmolzene Steinmasse aus der gequälten Erde bricht, so brechen Magma über den Hörer herein. Dass dies heute nach 40 Jahren Bandgeschichte immer noch gilt, beweisen die Alben "K.A" und "Ëmëhntëhtt-Ré". Grund genug, uns in den Orbit um Kobaïa zu begeben.

"They rocketed through the music with a fierce intensity that had the room rivited. After every piece, standing thunderous ovation! It was as if 99% of the people in that room were sharing this incredible, almost fucking religious experience." (JCRYAD über Magma live, rec.music.progressive, März 2002)

Man muss Magma beileibe nicht lieben, aber kaum jemand bleibt von ihrer Musik unberührt. Wer erlebt hat, wie sich Christian Vanders Augen in seinem zur Grimasse verzerrten Gesicht nach hinten drehen, bis nur noch das Weiße zu sehen ist, während um ihn herum seine wirbelnden Arme zu Schemen verschwimmen und selbst die in die Bühne getriebenen Nägel sein millimetergenau ausgerichtetes Schlagzeug kaum festzuhalten vermögen, wer Gitarrist James MacGaw im Sog der entfesselten Rhythmusgruppe zum fernen Planeten Kobaïa abheben sieht, wem durch unablässige chorale Wiederholung die zauberformelartige Textzeile "Zïss ünt ëtnah, zïss ünt ëtnah, zïss ünt ëtnah, zïss ünt ëtnah" in ekstatischer Polymetrik vierstimmig ins Hirn gehämmert wird, während ein aggressiv verzerrter Bass grollend und pumpend die Bauchdecke des Hörers attackiert, der wendet sich entweder angewidert ab oder ist der Band verfallen.

"And it's all channelled straight into a music that is intense; so intense I think it slips over the edge into obsession." (Martin Hayman, Sounds, April 1974)

"Intensität": Diese Vokabel taucht immer wieder auf, wenn von Magma die Rede ist. Joachim-Ernst Berendt beschreibt im "Jazzbuch" den "Kult der Intensität" der Freejazzer. Einer der Paten des freien Jazz war John Coltrane, ein im Post-Bop groß gewordener Saxophonist. Coltrane wandte sich in seinen späten Aufnahmen auf der Suche nach dem Jenseitigen in der Musik einer Spielweise zu, die die Grenzen der sowohl den Musikern als auch den Zuhörern zumutbaren Energie auslotete. Coltranes universeller Anspruch, seine tiefe Ernsthaftigkeit und das spirituelle Wesen seiner Musik beeindruckten den jungen Jazz-Schlagzeuger Christian Vander so sehr, dass er nach Coltranes vorzeitigem Krebs-Tod im Sommer 1967 sich erst verzweifelt das Leben nehmen wollte, dann aber beschloss, dass er das von Coltrane angefangene Werk fortführen müsse. Vander verließ Italien, wo er als Session-Musiker arbeitete, kehrte nach Paris zurück und gründete 1969 Magma.

Die Voraussetzung dieser Intensität, das spirituelle Feuer, das man für die angestrebte Katharsis, das Erreichen ekstatischer Einheit mit dem Transzendentalen benötigt, nennt Vander "le cri", den Schrei. "Le cri" ist das, wonach er bei seinen Musikern sucht, "le cri" ist das, was Magma von anderen Bands unterscheidet. Magmas frühe Geschichte ist daher vor allem eine Geschichte der Abgrenzung. Vander grenzte sich gegenüber Mainstream-Jazzern ab, die Coltranes Erbe nicht verstanden, geschweige denn weiterführten, und gründete eine Rockband. Gleichzeitig grenzte er sich gegen den an angloamerikanischen Vorbildern orientierten französischen Pop ab und suchte sich seine Inspiration neben Coltrane bei Wagner, Strawinsky, Orff und dem Mahavishnu Orchestra.

Vander betont in frühen Interviews immer wieder seine nicht-französische Abstammung (einer seiner Großväter war ein "Zigeuner-Geiger"), ebenso die nicht-französische Herkunft anderer Bandmitglieder, etwa des baskischstämmigen Sängers Klaus Blasquiz, der mit seinem kräftigen, fast opernartigen Bariton den Magma-Klang in den Siebziger Jahren entscheidend mitprägte. Die buntgekleideten Hippies waren Vander zu heuchlerisch: Also kleideten Magma sich ganz in Schwarz und trugen Ketten mit dem bedrohlich-enigmatischen Band-Emblem als monströse Anhänger. Das Französische war Vander zu weich: Also erfand er eine eigene Sprache, Kobaïanisch, ein zugehöriges Science Fiction-Epos und gab seinen Mitspielern kobaïanische Namen.

"Ich habe den Engel des Lichts gesehen, und er lächelte mich an. Er lächelte mich an, er lächelte mich an, der Engel des Lichts. Und die anderen, überrascht, fragen ihn: Der Engel des Lichts lächelte Dich an? Und er antwortet, mit wachsender Überzeugung: Er lächelte mich an, der Engel des Lichts." (Christian Vander, Klappentext "Mekanïk Destruktïw Kommandöh")

Diese Sage erzählt von einer Gruppe menschlicher Siedler, die der Erde angesichts spiritueller Armut, Kriegstreiberei und Ressourcen-Ausbeutung den Rücken kehren und auf dem Planeten Kobaïa eine neue Gesellschaft gründen. Das Debütalbum legte 1970 den Grundstein der Geschichte. Weiter ausgebaut werden sollte sie in einer drei Trilogien umfassenden LP-Reihe - ein Vorhaben, das bis heute nur teilweise umgesetzt wurde.

Die erste Trilogie umfasst das bisher nur in Live-Versionen veröffentlichte "Theusz Hamtaahk", das zuerst als Film-Soundtrack realisierte "Wurdah Ïtah" sowie Magmas Opus Magnum "Mekanïk Destruktïw Kommandöh". Im Jahr 2000 wurde anlässlich des 30jährigen Band-Jubiläums der Zyklus komplett aufgeführt, 2001 als Live-3-CD-Box veröffentlicht.

"K.A" ist die nachträgliche Aufnahme des bereits 1972/73 komponierten ersten Teils der zweiten Trilogie, die durch das schon 1974 veröffentlichte "Köhntarkösz" fortgesetzt wird. Der abschließende Part "Ëmëhntëhtt-Ré" war lange Jahre nur bruchstückhaft durch auf verschiedene Alben verteilte Ausschnitte bekannt; seine Rekonstruktion wurde 2009 veröffentlicht.

"Magma make the kind of music that Ken Russell might use as a soundtrack for the firebombing of Dresden; it's almost as if you'd expect them to stride onstage wearing Viking helmets with horns." (Pete Erskine, New Musical Express, August 1975)

Die auf sakrale, düstere Effekte zielende Optik, das disziplinierte Auftreten der Band und die teils martialisch anmutende Musik trafen in den vom Geist des Hippietums geprägten 70er Jahren nicht immer auf Begeisterung. Magma wurde ein mindestens frivoler Flirt mit faschistoider Ikonographie vorgeworfen. Gründungsmitglied Klaus Blasquiz hingegen, der zusammen mit dem immens einflussreichen Bassmonster Jannick Top in der ersten Dekade der Gruppe eine der Galionsfiguren neben Vander darstellte, betonte immer wieder die positive Botschaft der auf spiritueller Erfüllung basierenden Magma'schen Utopie.

Jannik Top! I’m shaking in me booties just thinking ‘bout him. Jannik Top was a Gene Simmons for people with their own IQ. He played the bass like a Tyrannosaurus Rex skinning a Stegosaurus. He was at least eight feet tall and had claws instead of hands. His bass sound made the night fall early, and kept the moon from rising at all. (Julian Cope, Head Heritage, September 2001)

Nach dem gemeinschaftlich ausgerichteten ersten Album übernahm Christian Vander immer mehr die Führung. Daraufhin spaltete sich ein Teil der Musiker ab, um im Projekt "Zao" eigene Ideen auszuleben. Es begann ein stetiges personelles Wechselspiel. Im Laufe der Jahre wirkten mehr als 50 Musiker bei Magma, wobei durch Vanders strenges Regiment die musikalische Identität stets bewahrt blieb. Durch den hohen Durchsatz an Mitgliedern prägten Magma die französische Musiklandschaft wie kaum eine zweite Gruppe: Fast jeder Ex-Musiker brachte in seine folgenden Projekte Elemente des typischen Magma-Sounds ein. Auch personell unabhängige Gruppen beeindruckte Magma stark. Es entstand ein eigenes Genre rund um den Magma-Klangkosmos: Zeuhl, benannt nach dem kobaïanischen "zeuhl wortz", "himmliche Musik". Auch heute sind Bands rund um den Globus, insbesondere in Japan, dem Magma-Erbe verpflichtet.

Nach der Auflösung Magmas Mitte der 80er Jahre konzentrierte sich Vander auf das akustisch und noch stärker choral ausgerichtete Projekt "Offering". Erst Mitte der 90er stellte er eine neue Magma-Besetzung zusammen, die die Musik Magmas durch rege Live-Tätigkeit sowie die neue Alben lebendig hält. Mit den Ex-Sängern Antoine und Himiko Paganotti - Kinder des Ex-Bassisten Bernard Paganotti - war die Band zwischenzeitlich auch personell in der zweiten Generation angelangt. Daher ist Christian Vanders Aussage vom November 2004 im Musikmagazin Tracks des Fernsehsenders ARTE vielleicht nicht so unwahrscheinlich, wie es auf den ersten Blick scheint: "Wir haben die volle Reife noch nicht erreicht. Das Beste kommt erst noch. Aber nicht weitersagen."

Magma-Einkaufszettel

Kaufrausch

Mekanïk Destruktïw Kommandöh(1973)

Nach den kantigen Akkorden und deklamierten, geflehten, befehlenden Vocals des Anfangs entwickelt sich "Mekanïk Destruktïw Kommandöh" zu einer mitreißenden, majestätischen Tour-De-Force, einem musikalischen Malstrom, einer wüsten, erschöpfenden Orgie aus hypnotischen stampfenden Rhythmen, machtvollen Bläserblöcken, unablässigem opernmäßigen Chor in einer barbarischen Phantasiesprache, treibenden Rhythmen, peitschenden Trompetenschlägen, Falsettgekreische, pulsierend kraftvollem Baßgeriffe, ekstatischem Schlagzeug mit wenigen Verschnaufpausen: einmalig und vor allem großartig.

Toptrack: Da Zeuhl Wortz Mekanïk

Live (Hhaï) (1975)

Magma sind vor allem eine hervorragende Live-Band, und auch deshalb ist die Doppel-LP "Live (Hhaï)" das vielleicht beste Einstiegsalbum in den Kobaïa-Kosmos: Eine der Studiofassung überlegene Version des erst düster-drängenden, dann jazzrockigen Epos "Köhntarkösz" auf der ersten CD, einige kürzere Stücke und Auszüge aus "Mekanïk Destruktïw Kommandöh" auf der zweiten geben einen hervorragenden Eindruck von Magma zu ihrer Hochzeit und klassischer Besetzung mit Sänger Klaus Blasquiz, Bassist Bernard Paganotti, Keyboarder Benoit Widemann und Violinist Didier Lockwood.

Toptrack: Kohntark (Part 2)

Theusz Hamtaahk Trilogie (2001)

Zum 30jährigen Jubiläum gab Magma im Trianon in Paris zwei Konzerte, auf deren Programm Magmas Hauptwerk stand: Die "Theusz Hamtaahk"-Trilogie. Jeweils ein Epos füllt eine CD in der daraus entstandenen Box. Dazu kommt ein komplettes Libretto - unverzichtbar für Kobaïanisch-Karaoke. "Theusz Hamtaahk" zeigt mit seinen repetitiven Figuren Magma von ihrer hypnotischsten Seite. "Wurdah Ïtah" verbindet Intensität und ekstatischen Gestus mit burlesken Melodien und osteuropäischer Folklore. "Mekanïk Destruktïw Kommandöh" ist hymnisch, bombastisch und mitreissend treibend.

Toptrack: Mekanïk Destruktïw Kommandöh

Pflichtkauf

Wurdah Ïtah (1974)

Dass Magmas Musik auch ohne großes Brimborium funktioniert, beweist diese in kleiner Vier-Mann-Besetzung (genauer: Drei Mann und eine Frau, nämlich Vanders damalige Gattin Stella) entstandene Aufnahme, die auch als Soundtrack Yvan Lagranges Film "Tristan et Iseult" (leider nicht "Izeuhlt"...) fungierte. Mit seinem intimen Klang und fröhlichen Melodien ist "Wurdah Ïtah" das vielleicht heiterste Magma-Album, was an dem deutlichen Einfluss osteuropäischer Folklore liegen mag: Einer von Christian Vanders Großvätern war schließlich ein "Zigeuner-Geiger".

Toptrack: Manëh Fur Da Zëss

Köhntarkösz (1974)

"Köhntarkösz" lässt sich viel Zeit, bis es richtig aus den Puschen kommt. Geduld beim Hörer während der ruhigen, mysteriös anmutenden ersten LP-Hälfte wird aber durch einen intensiven Spannungsaufbau belohnt, der sich auf der zweiten Seite in mitreißenden, drängenden Soli entlädt. Christian Vander selbst hat "Köhntarkösz" als seine vielleicht beste Komposition beschrieben, bei der der unnachgiebige Puls der Musik nicht von der Rhythmus-Gruppe vorgeben wird, sondern sich erst im Zusammenspiel aller Instrumente und des flehentlichen Gesangs ergibt.

Toptrack: Köhntarkösz (Part 2)

Üdü Wüdü (1976)

"Üdü Wüdü" treibt in seinem Titel nicht nur das magma'sche Faible für Pünktchen auf die Spitze, sondern bietet auch die Rückkehr von Bassist Jannick Top nach mehrjähriger Abwesenheit. Dominiert wird das Album von dessen Komposition "De Futura", einer 18minütigen repetitiven Baßriff-Orgie mit Klaus Blasquiz' bellenden Vocals, die voller hypnotischer Kraft steckt und auch als Blaupause für viele nachfolgende Zeuhl-Gruppen diente. Obendrein enthält "Üdü Wüdü" mit "Zombies" einen zentralen Teil des in kompletter Form bisher noch nicht veröffentlichten Magma-Epos "Emëhntëht-Rê".

Toptrack: De Futura

K.A (2004)

Das Studio-Comeback-Album der aktuellen Magma-Besetzung beweist, dass Nostalgie auch ihre guten Seiten hat. "K.A" ist eine Komposition, die in ihren Grundzügen bereits während der frühen Siebziger Jahre entstand, aber erst 2004 von Christian Vander vollendet und aufgenommen wurde. Besser spät als nie. Denn so kann man nicht nur den klassischen Magma-Stil im zeitgenössischen Klanggewand genießen, sondern sich auch an der gelungenen Mischung aus virtuoser mehrstimmiger Gesangskunst und - vor allem im atemberaubenden Finale - an intensiv-mitreißenden Instrumentalpassagen erfreuen.

Toptrack: K.A III

Außerdem:

Im Jahr 2005 hatten Magma eine vierwöchige Residenz im Club "Le Triton" in "Les Lilas". Jede Woche gab es ein anderes Programm; so spielte sich die Gruppe chronologisch durch die Bandgeschichte. Unterstützt wurde die aktuelle Besetzung durch ehemalige Bandmitglieder wie Klaus Blasquiz, Jannick Top und Benoit Widemann. Die Konzerte wurden mit mehreren Kameras aufgenommen; daraus entstand die - den unterschiedlichen Set-Lists entsprechend - auf vier Teile angelegte DVD-Reihe "Mythes et légendes". Die DVDs "Epok 1" bis "Epok 3" sind 2006 und 2007 bereits erschienen und beweisen, dass Magmas beste Musik auch nach 35 Jahren nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.

Qualitätskauf

Magma (1970)

Mit dieser Doppel-LP platzten Magma eindrucksvoll mitten in die damals biedere französische Rock-Szene. Im Vergleich zu dem von Vander erst anschließend entwickelten typischen Magma-Sound geht es hier deutlich bläserlastiger und jazziger zu. Dies erinnert musikalisch stärker an die Soft Machine der frühen Siebziger als an die späteren Magma selbst. Aber die Mythologie rund um den Planeten Kobaïa war bereits ausgeformt, und die Präsentation nach Art eines Gesamtkunstwerks aus Musik, Sprache, Mythologie, Bühnen-Outfit und -Gehabe richtungsweisend.

Toptrack: Kobaïa

Attahk (1977)

1977 wollte Christian Vander aus dem künstlerischen Elfenbeinturm fliehen, den er um sich und Magma durch esoterisches Gehabe und die eher unzugängliche Musik selbst aufgebaut hatte. "Attahk" versuchte andere, populärere Musikstile in die Magma-Welt aufzunehmen: Jazzfunk statt Coltrane, Gospel statt Carl Orff. Zwar wurde die Musik dadurch für "Außenstehende" tatsächlich zugänglicher, verlor aber auch einen Teil der Magie. Trotzdem gibt es hier - im Gegensatz zum späteren "Merci", das einen ähnlichen Ansatz verfolgt - einige überzeugende, teilweise sogar brillante Momente.

Toptrack: Liriïk necronomicus kanht

Retrospektïw 1-2 (1981)

Nachdem Magma mit "Attahk" ihren künstlerischen Zenith deutlich überschritten hatten, griffen sie 1980 bei einer Reihe von Jubiläums-Konzerten auf Meilensteine ihrer Karriere zurück. Die Doppel-LP "Retrospektïw 1-2" enthält dabei mitgeschnittene und durchaus gelungene Versionen der Monumental-Epen "Theusz Hamtaahk" und "Mekanik Destruktiw Kommandoh", die erfolgreich den Zauber der Hochphase der Gruppe in ein Spät-Siebziger-, Früh-Achtziger-Gewand kleiden, ohne aber substanziell Neues zu bieten. Aber egal, denn zuviel "Mekanïk Destruktïw Kommandöh" geht gar nicht.

Toptrack: Mekanïk Destruktïw Kommandöh

Verlegenheitskauf

1001° Centigrades (1971)

"1001° Centigrades" zeigt eine Band am Wendepunkt. Nach dem noch eher kollektiv geschaffenen Debüt-Album übernahm Christian Vander immer stärker die Führungsrolle. Dieser Übergang zeigt sich auch musikalisch: Die beiden von Francois Cahen und Teddy Lasry komponierten Nummern klingen noch nach der Vorgänger-LP, Christian Vanders langes "Riah Sahiltaahk" geht schon in die monolithische Richtung der folgenden Alben, nur eben weniger ausgereift und für die damalige Magma-Besetzung wohl ungeeignet, die auch prompt nach "1001° Centigrades" zerfiel.

Toptrack: Riah Sahiltaahk

Retrospektïw 3 (1981)

Der dritte (eigentlich zweite) Teil von Magmas 1980er "Retrospektïwe" beginnt mit einer "Retrovision" - leider keiner allzu schönen. Dieses 18minütige Stück verbindet Disco-Rhythmen und "Oh, Baby"-Einwürfe mit dem klassischen Magma-Sound: Eine Paarung, die sich nicht unbedingt natürlich ergibt - nicht ohne Grund. Erst in der düster treibenden zweiten Hälfte der Nummer läuft die Band zur gewohnten Form auf. Knapp vor dem Fehlkauf gerettet wird die Live-LP von einer mitreißenden Langversion des Band-Klassikers "Hhaï". Trotzdem: Vor allem für Fans.

Toptrack: Hhaï

Concert Bobino 1981 (1984)

Ähnlich schizophren wie auf "Retrospektïw 3" geht es auf "Concert Bobino 1981" zu: Auch hier zeigen sich halbgare Pop-, Soul- und Disco-Anwandlungen, wie sie auf "Merci" zur endgültig katastophalen Reife gelangten. Selbst das 30minütige "Zëss" lässt schmerzlich den kompositorischen Elan früherer Magma-Epen vermissen und ergeht sich in nicht endenwollenden Wiederholungen ohne Spannungsaufbau. Da die Doppel-CD "Concert Bobino 1981" aber die bis dato einzige offizielle Veröffentlichung von "Zëss" enthält, ist sie wohl für Fans trotzdem unverzichtbar - aber auch nur für solche.

Toptrack: Zëss

Fehlkauf

Merci (1984)

"Merci"? Keine Ursache. Wirklich keine. Ob es der Kommerzteufel war, der Christian Vander ritt, als er mit Hilfe von Plastik-Schlagzeug, Funk-Rhythmen, Soul-Gesängen und 80er-Jahre-Synthesizer-Klängen dieses Album aufnahm? Von wenigen, innerhalb der Stücke fast versteckten guten Momenten abgesehen kann lediglich das stimmungsvolle und lange "Eliphas Levi" halbwegs überzeugen, weist dabei aber eher in Richtung von Vanders Nachfolge-Projekt "Offering". Also: Lieber "Earth, Wind & Fire" oder besser noch "Parliament" kaufen - und "nein, danke" zu "Merci".

Toptrack: Eliphas Levi

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