Firefly & Serenity

Firefly

2002 startete Buffy- und Angel-Mastermind Joss Whedon seine dritte Serie, die erste ausserhalb des Buffy-Universums: "Firefly", eine Mischung aus Science Fiction und Western. Diese Verbindung ist weniger exotisch, als sie auf den ersten Blick erscheint. Der Treck in den Westen wird zum Flug in den Weltraum, das Fort zum Raumschiff und die scheuen Indianer zu Außerirdischen: Voilà. Star Trek etwa wurde von Gene Roddenberry mit dem Arbeitstitel "Wagon Train to the Stars" konzipiert. "Wagon Train" war eine Western-Serie, die 1957 bis 1965 im US-Fernsehen lief; außerdem hatte Roddenberry zuvor eine Western-Serie namens "Have Gun, Will Travel" betreut.

"Firefly" spielt in einer Welt nach dem Ende eines Bürgerkrieg zwischen oppressiver Zentralregierung und nach Unabhängikeit strebenden periphären Planeten; die Serie zeigt die Erlebnisse eines Raumschiffes namens Serenity (Firefly-Klasse) unter der Führung eines ehemaligen Rebellencaptains.

Die Kreuzung von SciFi, Western und orientalischen Elementen (in der Vorgeschichte des Firefly-Universums verschmolzen irgendwann die Kulturen der einzigen verbliebenen Weltmächte USA und China) sorgt für einen einzigartigen Look, der liebevoll in Bühnenbild, Musik, Kostümen und Dialogen ausgearbeitet wird. Dazu kommt eine übergreifende Geschichte um ein Geschwisterpaar, das auf der Flucht vor der Obrigkeit auf der Serenity landet. Die Charaktere des relativ großen Ensembles sind gleichermaßen geheimnisvoll wie liebenswert und dennoch auch mit dunklen Seiten versehen. Die Geschichten bieten den von Joss Whedon gewohnten Standard aus hervorragenden Dialogen mit viel Wortwitz, unerwarteten Wendungen und offenen Handlungsfäden.

Leider zeigten sich die Verantwortlichen des amerikanischen Senders Fox wenig geduldig mit der Quotenentwicklung (es half dabei sicher nicht, dass die Serie nicht in der korrekten Episoden-Reihenfolge gesendet wurde); von 14 produzierten Episoden (inklusive Pilotfolge in doppelter Länge) wurden ursprünglich nur 11 gesendet, bevor Firefly trotz großangelegter Fanrettungs-Aktionen auf Eis gelegt wurde. Allerdings erschien bald darauf ein DVD-Set mit allen, auch den ungesendeten, Folgen und vielen Extras, das sich zu einem der bestverkauften DVD-Boxsets bei amazon.com mauserte.

Durch den Erfolg von "Firefly" auf DVD gelang es Whedon, ein Film-Script basierend auf der Serie in Produktion zu bringen. Der Kinofilm "Serenity" führt einige der in der Serie angedeuteten Handlungsstränge zu Ende und gab Fans so zumindest eine Art von Auflösung und Abschluss.

Serenity

Als Fan der Serie und von Joss Whedon im Allgemeinen erwartete ich 2005 den Film "Serenity" sehnsüchtig.

Er enttäuschte nicht: "Serenity" ist eine Space Opera mit riesigen Raumschiffschlachten, blutrünstigen Kannibalen, Martial Arts-Einlagen, jede Menge Humor und - nicht nur einer - Moral. Das ist die ideale Sorte Geschichte: eine, die gewissen Tiefgang und einen humanitären, über sich selbst hinausreichenden, universell verständlichen Hintergrund hat, diesen aber unterhaltsam, spannend und emotionell mitreissend verpackt.

Ab hier seien Spoiler:

Die herrschende "Allianz" erzeugt in "Serenity" den oben erwähnten universellen Hintergrund: ein totalitäres Regime, das von sich selbst glaubt das Gute zu tun - "We're making a better world", "a world without sin". Aber eben durch Kontrolle und Zwang, die im Film durch die SciFi-Idee einer flächendeckend angewendeten, das Verhalten der Bevölkerung beeinflussten Droge verkleidet werden. Und die bösen Konsequenzen dieses Treibens personifiziert Whedon metaphorisch (ähnlich, wie er es schon bei Buffy The Vampire Slayer tat) in Monstern. Und serviert das ganze in einem Science Fiction Film mit Action und viel, ungemein zitierfähigem Sprachwitz, der obendrein mit typischen Genre-Klischees spielt (für einige schöne Beispiele dazu siehe unten), von der Optik unterstützt: die Serenity ist düster und dreckig, ein fliegender Schrotthaufen, die äußeren Planeten fern ab der Zentralregierung sind versifft, staubig und verrucht. Die Schauplätze im Allianzgebiet übermäßig strahlend und hell ausgeleuchtet, nahezu unerträglich grell. Die Verkörperung der anonymen, zynischen Macht der Allianz ist der Operative:

Allianz-Wissenschaftler: "I see no listing of rank or name."
The Operative: "I have neither."

Aber (die nächste "Botschaft"): You can't stop the signal. Informationen müssen fließen. Und werden es. Captain Reynolds liebt wieder die Liebe noch die Menschen. Aber er glaubt an die Freiheit, daran, dass jeder Fliegen können sollte, und dass der Preis dafür notwendigerweise das Böse ist - und in Kauf genommen werden muss. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass er den schlussendlich entscheidenden kleinen Vorteil im direkten Kampf gegen den Operative einer Verletzung verdankt, die er in dem Unabhängigkeitskreig erlitt, den seine Fraktion, die Browncoats, gegen die Allianz Jahre zuvor verlor.

Serenity ist die filmische Fortführung der Fernsehserie Firefly. Als solche stellt sich das Problem, wie neue Zuschauer mit dem zugrundeliegenden Universum, den entscheideden Ausgangspunkten der bisherigen Geschichte und den schon eingeführten Charakteren bekannt gemacht werden, ohne sowohl die Neueinsteiger als auch die alten Fans zu durch längliche Exposition zu langweilen. In Serenity hat Whedon dies durch zwei strukturell vollkommen verschiedene, ineinander übergehende Anfangsteile meines Erachtens brillant gelöst.

Im ersten Teil wird die Struktur des Geschichtenuniversums sowie der entscheidende Teil der Vorgeschichte der Hauptcharaktere vorgestellt, in vier Schichten, von denen zunächst keine das ist, was sie zu sein scheint, die wie die Häute einer Zwiebel im Laufe der Einführung abgeschält werden, bis die Realität erreicht ist.

Ein erzählendes Voiceover und eine Computeranimation erklären Allianz, "Independants", Bürgerkrieg, die herrschenden zentralen Planeten und die armen, abhängigen äußeren Planeten. Dies wiederum entpuppt sich als Teil einer Schulstunde, welche selbst wiederum nur Erinnerungen/Halluzinationen der in einem Regierungslabor mit folterähnlichen Experimenten gequälten psychisch begabten River Tam sind. Dort inspiziert gerade ein Regierungsbeamter die Fortschritte ihrer geplanten Erziehung zur lebendigen Waffe - welcher aber kein Offizieller, sondern Rivers Bruder Simon Tam ist, der die gewaltsame Befreiung und Flucht seiner Schwester inszeniert. Was sich schließlich der sogenannte "Operative" in einer Aufzeichnung ansieht, eine Mischung aus Jubal Early (Aus der Firefly-Folge "Objects in Space") und Jules Winnfield (Pulp Fiction) und ein mit weit reichenden Vollmachten ausgestatteter, auf River im offiziellen Auftrag angesetzter Killer.

Das krasse Gegenteil dieser ständig irreführenden ersten Einleitung ist die anschließende Vorstellung des Raumschiffs Serenity, auf dem River und Simon Tam Unterschlupf gefunden haben, und seiner Crew (vielleicht ist auch dieser Unterschied programmatisch bedingt, um auch damit die unterschiedlich Wesen der Serenitybesatzung under Allianz hervorzuheben?).

Hier wird die Einheit von Raum und Zeit sklavisch gewahrt und in einer mehr als vierminütigen, durchgehenden Steadicam-Einstellung (scheinbar) ohne Schnitt - ähnlich, wie es Hitchcock in "Cocktail für eine Leiche"/"Rope" für einen ganzen Film durchexerzierte - Captain Reynolds von der Brücke bis zum Laderaum durch fast das komplette Schiff begleitet, wobei der Zuschauer auch jedem Besatzungsmitglied begegnet und dessen jeweilige Funktion klar wird.

Keine dieser Figuren erlebt sicher das Ende des Films - anders als in vielen anderen Filmen im Mainstream. Whedons Vorliebe, aus heiterem Himmel tragende Charaktere seiner Geschichten sterben zu lassen, macht auch vor Serenity nicht halt - und macht dem Zuschauer deutlich: Es kann jederzeit jeden erwischen. Man kann sich nicht in der Sicherheit suhlen, dass am Ende alles gut sein wird; dafür ist es schon vor dem Ende zu spät. (Allerdings dürfte der emotionale Einschlag bei den Zuschauern, die die Charaktere schon über die Serie kennen und lieben gelernt haben, deutlich größer als bei Firefly-Novizen sein.)

Auch typisch Whedon ist die Ikonographie der großen Konfrontation am Ende, in der River ähnlich wie die Jägerin in frühen Buffy-Folgen zur möglichen Kultfigur stilisiert wird: Die Kamera fährt aus der Ferne auf eine von hinten beleuchtete Figur zu, heroisch-bedrohliche Haltung, bluttropfende Waffen in beiden Händen, funkelnde Augen, Blick von unten. Aber wieder das Spiel mit dem (eigenen) Klischee: Diese Pose wird bewusst und augenzwinkernd über die Grenze zum Kitsch getrieben, als auch noch die Wand hinter River zusammenbricht und sie von Rauch und warmen Rotbrauntönen umwabert wird.

Natürlich ist Serenity kein Film ohne kleine Probleme. Manche der digitalen Effekte wirken auf der großen Leinwand nicht überzeugend, detailreich und ziseliert genug, um so echt zu wirken, wie es mit einem doppelt so großen Budget möglich gewesen wäre (Serenity kostete nur ca. 40 Millionen Dollar, was für eine dermaßen optisch aufwendige und ambitionierte Produktion geradezu läppisch ist). Allerdings dürfte dies auf dem mit Sicherheit kleineren heimischen Fernsehbildschirm etwa beim zukünftigen Genuß auf DVD kaum auffallen. Ausserdem: ein entscheidender Plotpunkt, nämlich Washs Idee, den Zukunfts-Medien-Junkie/-Hacker mit dem unbescheidenen Namen "Mr. Universe" um Hilfe zu bitten, war durch Geschichte bis dato null vorbereitet und wirkte arg deus-ex-machina-artig.

Trotzdem sollte sich niemand davon und auch dem dämlichen deutschen Untertitel ("Flucht in neue Welten") abhalten lassen, "Serenity" anzuschauen - zumindest niemand, der sich mit Science Fiction anfreunden kann, die Tiefgang, flotte Action, starke Frauenfiguren und Charaktere bietet, die bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit schlaumeierische Bemerkungen absondern, all dies in einer ebenso handwerklich hervorragenden wie atmosphärischen Inszenierung.

Abschließend noch eine Auswahl (d.h. diejenigen, deren Sinn bzw. Pointe auch ohne den unmittelbaren visuellen oder handlungsbedingten Kontext erkennbar ist) der meiner Meinung nach bemerkenswertesten Zitate im Film:

Wash: This landing ist gonna get pretty interesting.
Mal: Define "interesting".
Wash: Oh god, oh god, we're all gonna die?
Mal (am Intercom): This is the captain speaking. We have a little problem with our entrance sequence. So we might experience some slight turbulence. And explode.
Mal: Just get us to the ground!
Wash: That part will happen definitely.
Mal: I hear the words "That's final" come out of your mouth ever again, they truly will be.
Jayne: I'll kill a man in a fair fight. Or if I think he's gonna start a fair fight. If he bothers me. Or if there's a woman. Or if I'm getting paid.
Mal: Zoe, ship is yours. Remember, if anything happens to me, if you don't hear from me within the hour, you take the ship... and you come in and rescue me.
Zoe: What? Risk my ship?
The Operative: It's worse than you know.
Mal: It usually is.
The Operative: Captain Reynolds, I should tell you so that you won't waste your time: you can't make me angry.
Inara: Please, spend an hour with him.
Mal: I don't murder children.
The Operative: I do.
Mal: They'll swing back to the believe that they can make people better. And I do not hold to that. So, no more running. I aim to misbehave.
Zoey: Do you really think any of us are gonna get through this?
Jayne: Well, I might?
The Operative: You are willing to die for that believe?
Mal: I am. (schießt auf Operative) But it ain't exactly Plan A.
The Operative: Do you know what your sin is, Mal?
Mal: I'm a fan of all seven. But right now, I'm gonna have to go with wrath.

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